Leseprobe

Sandwelten Cascade 10/28/7

Sie starrte ins Licht, das abweisend auf sie herab schien. Seit wie vielen Tagen war sie hier gefangen? War Nacht oder Tag? Sie wusste es nicht. Es klackte und die Lichtquelle erstarb. Erschrocken blickte sie sich um. Was soll das?Müdigkeit erfasste sie und legte sich schwer auf sie nieder. Sie legte sich auf die Seite und schob ihre Hände unter ihren Kopf. »Hilf mir«, hörte sie eine klägliche und vertraute Stimme in der Schwärze. Sie setzte sich auf und suchte hektisch nach der Person, niemand war da. »Yuna?«, wisperte sie zögerlich. »Ich komm nicht weg. Sie werden mich töten«, hallte erneut Yunas Stimme im Raum. Souri öffnete baff den Mund, als Lichtpunkte aus den Wänden quollen. Sie tropften auf die Fliesen und sammelten sich in der Mitte. Im nächsten Moment stoben sie wirr auseinander. Yuna, ihre Schwester, trat aus dem Lichtschauer heraus und starrte in die Leere. Souri erhob sich und ging mit wackeligen Beinen auf sie zu. »Wo bist du?«, fragte sie. »Ich bin hier«, antwortete Yuna und sah in die Ferne. »Yuna, wo ist hier?«, entgegnete Souri eindringlich und kniete vor ihrer Schwester. »Ich weiß nicht, es ist dunkel und kalt.« Yuna schlang ihre dünnen Arme um ihren ausgemergelten Körper.

Souri ballte die Fäuste. »Kannst du dich an einen markanten Punkt erinnern, irgendwas, dass mir hilft dich zu finden?« »Du musst mich holen«, flehte sie und hob die Arme. »Ich komme hier nicht raus«, wisperte Souri mit erstickter Stimme. »Die sind böse«, schluchzte Yuna.
»Wer?«, verlangte Souri von ihrer Schwester zu wissen, die schwach flimmerte. Ihre runden zimtbraunen Augen fixierten einen Punkt. Souri hielt den Atem an, und wandte sich in die Richtung, in die Yuna blickte. Doch sie konnte nichts sehen. Souri packte sie an den Schultern und ihre Finger glitten durch ihre Schwester hindurch. Bestürzt schüttelte sie ihr Handgelenk. Etliche Lichtpunkte stoben in die Dunkelheit und erloschen. Zögerlich streckte sie ihre zitternde Hand aus und berührte Yunas honigblonden Schopf. Sie liebte es ihre Haare auf der linken Seite, geschoren zu tragen. Souri drückte ihren Zeigefinger in die Haarstoppel. Lichtpunkte legten sich auf ihn und schwebten an ihm runter. »Hör mir zu. Du musst mir deinen genauen Standort sagen. Ich versuche alles, um rauszukommen.« Abrupt duckte ihre Schwester sich und schaute sich bang um. »Da kommt wer. Ich …« Eine Pranke griff nach ihrer Schwester und zerrte sie an der Schulter zurück. Zuckende Lichtpunkte schwebten über Souri und zogen sich zu einem leuchtenden, pulsierenden Ball zusammen. Souri verlor das Gleichgewicht und stürzte auf ihren Hintern. Der Lichtball explodierte lautlos in glühende Flammen, die auf sie niederregneten und erloschen. Souri warf sich auf den Boden und kauerte sich schützend zusammen. »Nein«, schrie sie entsetzt. Tränen rannen ihr über die Wangen. Ihre Gedanken überschlugen sich. Verwirrt setzte sie sich aufrecht und schaute in der Dunkelheit. Unruhe erfasste sie und hielt sie eisern in Griff. Hektisch schaukelte sie ihrem Oberkörper vor und zurück. Ein Wimmern erfüllte den Raum. Die Luft stand, zischend atmete sie aus. »Souri«, flüsterten die Wände. Sie erhob sich und drehte sich herum. »Yuna? Sag mir, wo du bist«, redete sie auf ihre Schwester ein. Roter Sand rieselte von der Decke und wirbelte um ihre Beine. Erstaunt stellte sie sich darunter und schaute hinauf. Gab es über ihr den rettenden Ausgang? »Yuna?«, rief sie. Ein donnernder Knall zerriss die Schwärze. Japsend schwankte sie zurück und hielt sich die Ohren zu. Ihre Schwester fiel durch sie hindurch. Feuerrotes Blut spritzte ihr ins Gesicht. Souri sprang keuchend zur Seite und stürzte sich im nächsten Moment auf Yuna. Ihr regloser Körper flackerte unter ihrer Berührung und zerfiel zwischen ihren Fingern. »Nein«, schrie sie aus Leibeskräften. Schluchzend strich sie über die Stelle, wo ihre Schwester zuvor gelegen hatte. Unbändiger Hass loderte in ihr auf und gab ihr Kraft. Mit großen Schritten lief zur Tür. Sie drosch und brüllte auf sie ein, bis ihre Handknöchel bluteten und ihre Lunge brannte. Der Boden unter ihren Füßen begann zu wanken. Schmerzen bohrten sich in ihrem Kopf und zwangen sie auf die Knie. »Ich komm hier raus«, presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

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