Was ist virtuelles Wasser?

Wir können es nicht sehen, aber verbrauchen es täglich. Virtuelles Wasser bezeichnet die Menge Wasser, die zur  Herstellung  eines Produkts verbraucht wird.

Hierbei unterschieden wir zwischen grünem Wasser , das aus Regen und natürlicher Bodenfeuchte kommt. Sein Verbrauch ist an sich nicht schädlich, jedoch gibt es auch hier unterschiede( darauf gehe ich hier heute nicht ein). Blaues Wasser kommt aus Flüssen, Seen und dem Grundwasser und wird für die künstliche Bewässerung von landwirtschaftlichen Produkten verwendet. Dieses Produktionswasser wird dem Oberflächenwasser oder Grundwasser des Gebietes zwar entnommen, aber nicht mehr in ein Gewässer zurückgeführt. Graues Wasser ist sogenanntes Schmutzwasser, das die Wasserbilanz eines Produktes deutlich verschlechtert, d.h. es entsteht bei der landwirtschaftlichen sowie industriellen Produktion und definiert die Wassermenge, die notwendig wäre, um das von Dünge- und Pflanzenschutzmittel verunreinigte Wasser wieder zu neutralisieren.

Nur weil wir es nicht sehen, heißt es nicht, das es kein Problem ist.

Das Wort „virtuell“ ist weit weg, wir können es nicht anfassen oder gar sehen. Es suggeriert, dass es keine reales Problem gibt. Weit gefehlt, denn  Wasser ist und bleibt die Grundlage allen Lebens. Es ernährt uns Menschen, Tiere und Pflanzen, von denen wir uns wiederum ernähren. 75 % des weltweit verfügbaren Süsswassers wird für die Landwirtschaft (Tierhaltung und Ackerbau) benötigt, denn anders können wir die stetig wachsende Weltbevölkerung nicht ernähren. Mehr als die Hälfte unserer Nahrungsmittel muss dabei mit blauem Wasser bewässert werden, da oft die klimatischen Bedingungen im Anbaugebiet nicht ausreichen. Dieses extra „abgezwackte“  Wasser fehlt dort den Menschen und der Natur.

Was kostet eine Tasse Kaffee?

Genug des Farbenspiels. Es wird Zeit meinen Kaffeekonsum zu beleuchten und wie viel ich so täglich vernichte. Ich liebe Kaffee und bin ein bekennender Süchtler, ohne Kaffee läuft bei mir nicht. Für eine Tasse meines Lieblingsgesöffs werden sage und schreibe 140 l Wasser fällig. Erstmal, um überhaupt eine Tasse herzustellen zu können und den Anbaue der benötigten Kaffeebohnen dürfen nicht vergessen. 

Unter allen Lebensmitteln nimmt Fleisch jedoch die Spitzenposition ein, denn für ein Kilogramm Steak werden durchschnittlich 16.000 Liter Wasser fällig, denn das Rind muss ja getränkt und ernährt werden, d.h. sein Futtermittel muss heranwachsen, um es ernähren zu können. 

Wasser wird aber nicht ausschließlich zur Lebensmittelherstellung genutzt, sondern auch die Bekleidungsindustrie benötigt welches. In unserem Beispiel dreht es sich um die Baumwolle, denn deren Anbau besonders wasserintensiv ist.  Allein die Menge, die für ein T-Shirt benötigt wird, verschlingt durchschnittlich 2700 Liter Wasser. 

Das T-Shirt ist aber noch längst nicht fertig, denn die Baumwolle muss ja noch gereinigt und die Farben dafür müssen hergestellt werden usw. So kann der Verbrauch in einigen Fällen auch auf 15.000 Liter ansteigen.

Hier ein paar Beispiele

  • 1 Blatt Papier DIN A 4 = 10 Liter
  • 1 Tasse Tee= 35 Liter
  • 1 Tasse Kaffee = 140 Liter
  • 1 KG Erdbeeren = 200 Liter
  • 1 Liter Bier = 300 Liter
  • 1 Liter Milch = 800 Liter
  • 1 Smartphone = 910 Liter
  • 1 Kilo Hühnerfleisch = 4.000 Liter
  • 1 Kilo Käse = 5.000 Liter
  • 1 Jeans = 11.000 Liter
  • 1 Kilo Rindfleisch = 15.000 Liter
  • 1 Computer = 20.000 Liter
  • 1 Auto = 400.000 Liter

Was verbrauchen wir durchschnittlich? 

Unser durchschnittlicher Wasserverbrauch in Deutschland liegt bei knapp 120 Litern. Moment, das ist nur das sichtbare Wasser, das wir sehen, anfassen und fühlen können!   Berechnet man den versteckten Wasserverbrauch mit ein, kommt ein Bundesbürger auf knapp 4000 Liter am Tag. (Angaben  Water Footprint Network)

Was können wir im Alltag versuchen zu reduzieren? 

Am meisten können wir an unseren Essgewohnheiten einsparen.  Vor allem bei unserem Fleischkonsum. Über zwei Drittel des weltweiten Wasserverbrauchs geht in die Tierhaltung. Ihr müsst nicht alle jetzt Vegetarier oder Veganer werden und irgendeinem Trend nachlaufen, hinter dem ihr eh nicht steht. (Auch wenn ich mir jetzt den Zorn einiger militanter Veganer zuziehe. Haltet die Füße still, ich sage euch schließlich auch nicht was ihr essen dürft oder nicht. Ich bin seit meinem 9 Lebensjahr Vegetarierin und ihr müsst mir nichts drüber erzählen, meine Mutter war lebenslang Veganerin und man mag es kaum glauben, mein Vater ein Fleischvernichter. Richtig gelesen! Ich komme aus einem wahnsinnig toleranten Elternhaus und verbiete mir Gequassel von Mitläufern, die Katzen vegan ernähren! Huch, hier hat mein Zynismus-Modus doch glatt Oberhand gewonnen. Wieder zum Text! ) Weniger ist oft mehr, wenn ihr könnt und euren Fleischkonsum reduziert, spart ihr virtuelle Wasser ein, das u.a. für die Futtermittelgewinnung. benötigt wird und ihr richtet sogar was gegen die schreckliche Massentierhaltung aus, die nicht nur furchtbar und verachtenswert ist, sondern auch dem Klima helft. Achtet woher ihr das Fleisch bezieht. Gönnt euch ein- oder zweimal die Woche hochwertiges Fleisch vom Metzger um die Ecke.  

Was könnt ihr noch tun?

Kauft Produkte und Lebensmittel aus der Region und versucht saisonal zu essen, d.h. jetzt im Winter gibt es vermehrt mitteleuropäische Gemüse zu kaufen: Rosen- und Grünkohl, Wirsing, Lauch, Möhren etc.

Achtet beim Shoppen auf die Qualität der Textilien, denn Kunstfasern bauen sich schwer ab. Spendet eure ausgetragen Kleidung.

Fahrt mal wieder Rad, wenn es das Wetter/die Strecke zulässt und lasst das Auto stehen. 

Viele technische Geräte werden ersetzt, bevor sie nur einen Kratzer haben, sorry bevor sie kaputt sind. Wer nicht jedem Trend hinterherläuft und Geräte so lange wie möglich nutzt, spart richtig viel Wasser. Bitte gebt eure defekten Geräte beim Händler ab, weil so können die Rohstoffe wiederverwendet werden, ohne das zusätzliches Wasser verbraucht werden muss (um Rohstoffe zu gewinnen sind großen Mengen Wasser nötig).

Verwendet Recyclingpapier, wie ihr in der Liste gesehen habt, braucht die Herstellung eines Blattes DIN-A4 10 Liter Wasser, um es herzustellen.  


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